04 Januar 2007

Dieser Beitrag ist aus der Sächsischen Zeitung

Aus der Sächsischen Zeitung
Plastic Logic will Dresden aufrollen

Von Michael Rothe

Elektronisches Papier. Mit einer neuen Fabrik möchte eine britische Firma bis zu 300 Arbeitsplätze schaffen.

Dresden. Sachsens Wirtschaftsförderer haben zu Jahresbeginn einen Coup gelandet: Der britische Elektronikspezialist Plastic Logic Limited will sich im Dresdner Norden ansiedeln. Das erfuhr die SZ aus gut informierten Kreisen.

Die aus einer Ausgliederung der Universität Cambridge hervorgegangene Firma will zunächst 20Millionen Euro investieren, um elektronisches Papier (E-Paper) zu produzieren. Nach SZ-Informationen will Plastic Logic, hinter dem erstklassige Risikokapitalgeber stehen, weiteres Geld einsammeln. Die Rede ist von rund 100 Millionen Euro. Dazu winken Fördermillionen von Freistaat und Europäischer Union. Die Höhe ist offen und abhängig davon, ob Plastic Logic als Großunternehmen oder Mittelständler angesehen wird. Je nachdem würden 35 oder 50 Prozent der Investitionssumme gefördert.

Dünn, leicht, Strom sparend

Dem Vernehmen nach sollen zunächst gut 50 Arbeitsplätze entstehen, die sich auf bis zu 300 vervielfachen ließen. Der Neubau im 170 Hektar großen Gewerbegebiet „Airportpark“ nahe dem Flughafen Dresden-Klotzsche und der Autobahn 4 soll im März beginnen. Nächstes Jahr könnte die Produktion von E-Paper (Kasten) anlaufen. Der vor Jahresfrist erstmals präsentierte Prototyp hatte eine Größe von 35 mal 35 Zentimetern.

Damit käme eine weitere revolutionäre und zukunftsträchtige Technologie nach Dresden. Zu den Anwendungsbereichen zählen auch elektronische Zeitungen, Wörterbücher bis hin zu professionellen Anwenderdokumenten und E-Mails. Über integrierte kabellose Anschlüsse könnten E-Mails oder Dokumente vom Handy aus übertragen werden und so das Lesen unterwegs erleichtern. Im Vergleich zu Laptop-Displays würden sich die dünnen, leichten Displayrollen dazu aufgrund ihrer Handlichkeit besser eignen – bei ausgesprochen geringem Energieverbrauch aus den integrierten Batterien.

Alternative in Südostasien

Nach SZ-Informationen sucht Plastic Logic schon länger weltweit einen Standort zur Massenproduktion von elektronischem Papier. Seit einem Vierteljahr ist Dresden eine mögliche Adresse. Am Ende war noch eine Alternative in Südostasien im Gespräch. Einzig eine Förderabsage aus Brüssel, wo entsprechende Vorhaben genehmigt werden müssen, könnte die Neuansiedlung in Sachsen noch zu Fall bringen, sagen Insider. Eine Anfrage der SZ dazu bei Plastic Logic blieb unbeantwortet.

Wie in solchen Fällen üblich, waren die hiesigen Wirtschaftsförderer zu strikter Geheimhaltung verpflichtet. Gestern wollte sich weder beim Land noch bei der Stadt jemand äußern. Die Briten wollen heute an die Öffentlichkeit gehen.

Mit dem Fraunhofer-Institut für photonische Mikrosysteme, dem schottischen Bildschirmproduzenten Micro Emissive Displays, der Novaled AG, dem Hersteller organischer Solarzellen Heliatek GmbH, dem Institut für angewandte Photophysik an der TU Dresden und besagter Neuansiedlung würde Dresden dann mit mehr als 300 Beschäftigten europaweit über die meisten Jobs im Segment organische Leuchtdioden verfügen.

Novaled-Technikchef Jan Blochwitz-Nimoth zeigte sich gestern freudig überrascht ob des möglichen neuen Nachbarn. „Plastic Logic ist ein potenzieller Partner für uns“, so Blochwitz-Nimoth, dessen 70-Mann-Unternehmen organische Leuchtdioden (Oled) entwickelt. Angesichts der neuen Dimension könne der Interessenverbund von einem halben Dutzend artverwandter Unternehmen sogar über eine Namensumbenennung nachdenken: „von Dresden-Oled-Center in Dresden-Organic-Valley“.